Kürzung von „fiktiven“ Reparaturkosten statthaft?

In einem Urteil des AG Walsrode, wurde eine Versicherung verurteilt, die sogenannten „UPE-Aufschläge“ *) und „Verbringungkosten“ *) zu zahlen. Eben diese hatte die Versicherung auf der Basis eines vorliegenden Schadengutachtens gekürzt.

Hintergrund
Im vorliegenden Fall hatte der vom Kläger beauftragte Kfz-Sachverständige in seinem Schadengutachten auch die Ersatzteilaufschläge und Verbringungskosten aufgenommen, da diese im örtlichen Bereich üblicherweise anfallen.
Die Beklagte hatte die fiktiven Reparaturkosten um diese Positionen gekürzt.
Die hiergegen gerichtete Klage hatte vollumfänglich Erfolg.

Aussage
Der Geschädigte darf bei einer fiktiven Schadenabrechnung auch die Kosten in Ansatz bringen, die bei einer fachgerechten Reparatur aufgewendet werden müssten, um den Schaden zu beseitigen. Hierzu gehören auch die Ersatzteilaufschläge, Kosten der Probefahrt, Kosten für Kleinteile und Verbringungskosten, da diese aufgewendet werden müssen, um die beschädigte Sache wiederherzustellen.

Die restlichen Reparaturkosten waren daher gemäß Gutachten von der Beklagten insgesamt zu erstatten.

Praxis
Das AG Walsrode vertritt die Auffassung, dass UPE-Aufschläge und Verbringungskosten auch bei fiktiver Abrechnung erstattungsfähig sind, wenn diese im örtlichen Bereich anfallen.

Quelle: BVSK e.V. – Bezug auf das AG Walsrode, Urteil vom 17.03.2014, AZ: 7 C 606/13 (11)

*) UPE-Aufschläge = Aufschläge auf die Unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller
Verbringungskosten = u.a. Kosten i.R. von Transporten zu anderen Fachwerkstätten, z.B. zwecks Vermessung  oder Lackierung

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